Als Verstoßene der Magierakademie macht sich die junge Kyri auf den Weg, den gefürchteten Werwolf zu erlegen, der die abgelegenen Ländereien ihres Vaters heimsucht. Aber sie will nicht nur den Tod der Bestie, sondern auch den Respekt ihrer Ränke schmiedenden Familie und die Anerkennung als mächtige Magierin.
Doch jenseits der Zivilisation ist längst nicht jeder das, was er zu sein vorgibt. Denn dort gibt es ebenfalls Heimtücke, Verrat, aber auch Liebe. Kann Kyri den Werwolf zur Strecke bringen? Oder wird sie selbst ein Opfer der Bestie, deren verführerischer Kuss bereits so manches unschuldige Mädchen in seine willige Gefährtin verwandelt hat?
Blick ins Buch
Die Bestie des Berges
Die Sonne war bereits hinter den hohen Gipfeln verschwunden, im dichten Bergwald stimmten Vögel den Abendgesang an. Mit ihrem Hirtenstab bewaffnet erkletterte ein junges Mädchen den steilen Aufstieg. Schweißperlen standen auf ihrem von Pinkeln und Sommersprossen verzierten Gesicht. Sie musste sich beeilen, denn eigentlich hätte sie längst zu Hause sein sollen. Doch ein Unwetter am Nachmittag hatte die Ziegenherde aufgeschreckt. Deshalb musste sie den Berg hinauf, um die verlorenen Tiere einzufangen, bevor sie ein Opfer der hier lebenden Bestien wurden. Denn davon gab es eine Menge.
Wie alle Bewohner des Glimtals kannte sie die Geschichten über die hier hausenden Wesen: Dämonen aus anderen Welten, Geister der unglücklichen Seelen, die ihr Leben am Berg gelassen hatten, und natürlich all die weiteren Kreaturen, die sich in der Wildnis verbargen und nach Opfern suchten. Der Gedanke daran jagte ihr einen Schauer über den Rücken.
Viele Erzählungen mochten ein fantastisches Produkt langer Winternächte sein, in denen Menschen zusammen in Hütten hockten und sich draußen meterhoher Schnee auftürmte. Nichtsdestotrotz hatten diese Geschichten ihr Echo im Geist des Mädchens hinterlassen, das sehr wohl wusste, dass sich hinter vielen Märchen und Legenden ein wahrer Kern verbarg. Denn wenn man am Berg lebte, musste man sich der lauernden Gefahren stets bewusst sein.
Die Furcht vor diesen Kreaturen, egal, ob aus Hirngespinsten oder der Realität, wurde lediglich von der Angst überspielt, die ein Verlust der Ziegen mit sich brachte. Das Mädchen war eine einfache Hirtin und den Besitzern der Tiere zur Rechenschaft verpflichtet. Den Verlust eines einzigen Weidetieres bestrafte man bei den jungen Hirten gerne mit 20 Stockhieben auf den nackten Arsch.
Der Gedanke, was diese Besitzer mit ihr anstellen würden, wenn sie ein halbes Dutzend Ziegen verlor, trieb sie voran. Sie konnte nur hoffen, dass sich die zerstreute Herde auf einer der vertrauten Weiden sammelte, damit sie nicht den ganzen Berghang nach den Tieren absuchen musste. Immerhin gab es einen kleinen Lichtblick. Das Wetter war aufgeklart und der Vollmond stand bereits als silbergraue Silhouette am Himmel und wartete auf seinen großen Auftritt.
Endlich ließ das Mädchen den Wald hinter sich und erreichte eine saftige Wiese am Berghang. Hier hatten sich die entlaufenen Ziegen versammelt und grasten gemütlich. Erleichterung machte sich in ihr breit. Sie hatte es geschafft und wischte sich mit dem Ärmel ihres Wollkleids den Schweiß von der Stirn.
Mit schnalzenden Zungenlauten erregte sie die Aufmerksamkeit der Tiere. Diese hoben kurz den Kopf, machten allerdings keine Anstalten, mit ihrem saftigen Abendmahl aufzuhören.
Das Mädchen seufzte. Sture Biester. Obwohl Ziegen normalerweise gehorchten, hatten sie doch ihren ganz eigenen Kopf. Immerhin waren sie nicht verstreut, sondern auf einer Weide, welche die Hirten regelmäßig benutzten. Von hier gab es einen Abstieg mit nur leichtem Gefälle, der zwar etwas länger dauerte als der Aufstieg durch den Wald, doch er war dafür auch im Mondlicht einfach zu bewältigen.
Beiläufig blickte das Mädchen ins Tal und bemerkte dabei aufziehende Nebelschleier, wohl eine Folge des zurückliegenden Regens, was an sich nichts Ungewöhnliches war. Jeder hier draußen kannte das launische Wetter im Schatten des Glimspitzmassivs. Leider erschwerte es den Abstieg, denn wenn der Nebel dichter wurde, würden weder das Licht von Sonne noch von Mond ausreichen, um den rechten Weg zu finden.
Vermutlich war es das Beste, die Nacht über hier oben zu bleiben, um die kleine Ziegenschar am nächsten Morgen den Berg herunterzuführen, wo ihre Brüder und Schwestern mit der restlichen Herde warteten. Also machte sie sich daran, nach einer geeigneten Lagerstelle Ausschau zu halten. Rasch fand sie eine geschützte Stelle, die von den Hirten hier oben regelmäßig verwendet wurde. Hier gab es sogar etwas Brennholz, das man geschützt unter einem Felsvorsprung abgelegt hatte.
In diesem Augenblick vernahm sie ein fernes Geheul. Sie sah den Berghang hinauf und versuchte im einsetzenden Zwielicht, den Ursprung dieser Laute auszumachen. Wölfe gehörten zu den natürlichen Feinden der Hirten und ihrer Herden.
Instinktiv verstärkte sich ihr Griff um den Stab, der ihr in dem Gelände als Steighilfe diente, aber im Notfall auch eine tödliche Waffe sein konnte. Nicht, dass sie es je ausprobiert hatte, zum Glück. In der Regel reichte ein Steinwurf aus ihrer Schleuder, um sich nähernde Wölfe zu vertreiben. Mit einem passenden Stein konnte ein Treffer damit einem glatt den Schädel einschlagen. Doch das Mädchen nutzte meist nur kleine Kieselsteine, mit denen sie wenig Schaden anrichtete, aber dafür mehrere Geschosse laden konnte, was die Trefferwahrscheinlichkeit deutlich erhöhte.
Erneutes Geheule hallte vom Bergmassiv herab. Ein typischer Wolfslaut, den der aufziehende Nebel in der einsetzenden Abenddämmerung noch verstörender wirken ließ.
Gedanke überschlugen sich im Kopf der jungen Hirtin.
Wie viele Wölfe waren es?
Hatten sie bereits die Witterung nach den Ziegen aufgenommen?
Rasch holte sie Feuerstein, Stahl und Zunder aus ihrer Tasche. Normalerweise schaffte sie es damit in kürzester Zeit, ein Feuer zu entfachen. Doch diesmal klappte es nicht. Ihre zierlichen Hände zitterten und ihr Herz pochte wild, während das Geheul sie erneut durchfuhr, und es klang wesentlich näher.
Kam der Wolf auf sie zu oder war es etwas anderes?
Nebelschwaden zogen an ihr vorbei und die Nacht kam mit großen Schritten auf sie zu. Endlich verfing sich der vom Stahl geschlagene Funke in dem vorbereiteten Zundernest und sie blies, um ihn am Leben zu halten. Geübt streute das Mädchen etwas Reisig darauf und beobachtete den aufsteigenden Rauch. Dabei fokussierte sie sich allerdings so intensiv auf das entstehende Feuer, dass sie das aufgeregte Mähen und Meckern der Ziegen erst gar nicht mitbekam.
Als schließlich kleine Flammen aus dem Nest hervorbrachen, legte sie dieses rasch in die bereitliegende Feuerstelle, um es mit weiteren Ästen zu nähren. Das Feuer verschlang die ihm angebotene Nahrung und flammte auf. Knistern des feinen Astwerks war zu hören und sie legte sofort größere Stöcke aus dem Vorrat nach.
Plötzlich hörte sie hinter sich das Knirschen und Knacken von Gestein. Erschrocken drehte sich das Mädchen um und bemerkte zwischen den Nebelschleiern eine aufrechtgehende Gestalt. Erst beim genaueren Hinsehen erkannte sie einen Mann, der offenbar einen dunklen Fellmantel trug, der ihm bis zu den Knöcheln ging. Dies verlieh ihm ein animalisches Aussehen, welches auf sie noch bedrohlicher wirkte.
»Hallo, meine Kleine. Was suchst du denn hier?«, sprach er mit rauer, rauchiger Stimme, der ein fremdartiger Akzent anhaftete.
»Ich habe nach den Ziegen gesucht. Sie sind beim Unwetter hier hoch auf den Berg gelaufen«, erklärte sie.
Geschwind erhob sich das Mädchen, wobei ihr Blick auf das bedrohliche Langmesser am Gürtel des Mannes fiel. In ihrem Dorf nannte man dies Räubermesser, denn viele Halunken trugen derlei Waffen am Körper, deren Klingenlänge fast einem Kurzschwert gleichkam.
»Und nun sind ein paar kleine Ziegen und ein hübsches Mädchen nachts alleine am Berg. Hast du keine Angst, meine Kleine?«
»Ich habe den Hirtenstab und das Feuer hält die wilden Tiere fern.«
»Ich sehe, ich sehe. Du bist wohl ganz gut vorbereitet. Schön. Dann wirst du doch einen alten Wanderer wie mich an deinem Lagerfeuer willkommen heißen und mir etwas Wärme und Sicherheit anbieten, oder?«
Der in ein Wolfsfell gehüllte Mann trat näher an sie heran. Sie wich zurück, bis sie mit dem Rücken an einen Felsen stieß. Er kam ihr ganz nah, drängte sich gegen ihren Körper und sie nahm seinen intensiven Körpergeruch wahr. Obwohl das Hirtenmädchen einiges gewohnt war, führte es auch sie an seine Grenzen, denn an dem Geruch haftete eine säuerliche Fäulnis.
Der Mann hob seine Hand und legte sie an ihre Wange. Angst und Ekel überkamen sie. Inzwischen war er ihr so nah, dass er mit seinem Körper den Einsatz ihres Stocks unmöglich machte.
»Du bist wirklich ein wunderschönes Ding. So was habe ich ja schon lange nicht gesehen. Das lässt einem gleich das Wasser im Mund zusammenlaufen.«
Das Mädchen spürte die Gefahr. Es sah die Gier in den Augen des Fremden, der sich ihr immer mehr aufdrängte.
»Woher kommen Sie, Herr?«
»Aus dem Norden. Aus dem Süden. Aus dem Osten und dem Westen. Mich hält es nie lange an einem Ort, musst du wissen.«
Er berührte ihren Haaransatz und ein schauriges Kribbeln lief ihr den Rücken herunter.
»Habt Ihr Hunger? Ich habe da etwas dabei. Setzt Euch doch ans Feuer und ich teile mit Euch«, sagte sie mit zitternder Stimme.
»Was für eine nette Einladung von einem hübschen Ding. Ich bin gespannt, welche Leckerbissen du mir anbieten kannst. Denn mein Hunger ist riesig.«
Die Angst kroch ihr aus jeder Pore und sie erahnte düstere Gedanken in der Miene des Mannes. Dennoch hoffte sie, ihn mit ihrem letzten Brot und Käse abzulenken.
Als er seine Hand von ihr nahm und sich ans Feuer setzte, wollte sie schon die Gelegenheit nutzen und davonlaufen. Doch sie hatte Angst, dass er sich dann erst recht auf sie stürzen würde.
»Worauf wartest du, Mädchen? Komm, setz dich zu mir. Ich habe großen Hunger«, sagte der Mann und beleckte demonstrativ seine Lippen.
So folgte sie seiner Aufforderung und setzte sich zu ihm. Erneut hörte sie das Wolfsgeheul und dessen Widerhall am Berg. Sie blickte sich kurz um, doch die Dämmerung und der aufziehende Nebel verhüllten ihr die Sicht.
»Was ist? Hast du Angst vor Wölfen? Das musst du nicht. Ich bin ja hier. In meiner Nähe brauchst du diese Monster nicht zu fürchten«, sprach der Mann und zückte mit einer Hand sein Langmesser.
Das Mädchen fuhr erschrocken zusammen. Im Feuerschein sah sie die zahlreichen Scharten der Klinge. Getrocknetes Blut haftete an dem Metall.
»Gefällt es dir?«, fragte er und vollführte einige Schnittbewegungen gegen imaginäre Ziele.
»Es sieht gefährlich aus. Ihr könnt damit bestimmt gut umgehen«, erwiderte das Mädchen unbeholfen.
»Worauf du wetten kannst, meine Kleine. Ich habe mit dem Messerchen hier schon so manchem Wolf das Fell über die Ohren gezogen. Und nicht nur denen.«
Der Mann grinste sie an, wobei er seine wenigen verbliebenen Zähne offenbarte. Fast beiläufig legte er seinen Arm um das Hirtenmädchen und zog sie bestimmend an sich. Die Spitze der Klinge zeigte direkt auf ihre Kehle. Panik stieg in ihr auf. Wollte er sie am Ende mit dem Messer wie eine Ziege schlachten?
Hinter sich hörte sie das verstörte Mähen und Meckern der Herde, während sich die Klingenspitze an ihren Adamsapfel drückte.
»Weißt du, Kleine, dieses Messer hat mir schon bei so mancher Beute geholfen. Glaubst du mir das? Manchmal reicht es, die Schneide über die Haut zu streifen, und schon löst sich alles ganz einfach.«
Seine Stimme war kaum mehr als ein bedrohliches Wispern. Sie spürte, wie das Metall an ihrer Kehle entlangglitt, an ihrer Haut ritzte und dabei hinunter zu ihrem Brustbein wanderte, wobei er den Stoff ihres Kleides einritzte. Ihre Muskeln zitterten und in ihrem Kopf kristallisierte sich Todesangst. Inzwischen war es dunkel geworden und das kleine Feuer spendete nur wenig Licht und Wärme.
»Was ist los? Hast du Angst? Das musst du nicht. Wenn du lieb zu mir bist, dann bin ich auch lieb zu dir. Ganz sicher. Ich würde doch einem so süßen Ding kein Leid antun.«
Er beugte sich zu ihr, sein heißer Atem streifte ihre Wange. Sie fühlte eine Hand an ihrer flachen Brust, während seine andere Hand die Spitze des Langmessers noch immer auf sie richtete.
Dann leckte er ihr mit seiner Zunge über ihr Gesicht. Das Mädchen würgte und rang nach Luft. Sie blickte zum Himmel und sah den silbernen Vollmond zwischen den Nebelschleiern, Wolfsgeheul dröhnte in ihrem Kopf.
Im nächsten Moment wurde sie zu Boden gedrückt. Sie sah die Silhouette des Mannes, als er über sie stieg und das Wolfsfell abstreifte.
»Du bist wunderschön, meine Kleine. Ich habe wirklich Glück, dass ich dich hier oben gefunden habe«, raunte der Fremde und legte sein Langmesser beiseite.
Das Hirtenmädchen spürte seine groben Hände, die an ihrem Kleid zerrten, bis der Leinenstoff nachgab und riss. Sie hörte ein kehliges Knurren.
»Du bist so schön. Es ist lange her, dass ich das letzte Mal Gesellschaft hatte«, wisperte der Mann.
Seine Stimme bebte vor Gier, seine rauen Hände streiften über die zarten Rundungen des Mädchens. Sie atmete ganz flach und versuchte, nichts zu fühlen. Sie wollte einfach nur überleben, während die rauen Finger des Mannes ihren Körper erkundeten.
»So jung. So zart. Ich glaube, wir beide werden viel Spaß miteinander hab…« Die Worte des Mannes erstarben in einem erstickten Gurgeln. »Uuuuuhaaag …«
Ein warmer Schauer ergoss sich über sie und der metallische Geruch von Blut stieg ihr in die Nase. Dann spürte sie, wie der schwere Männerkörper schlaff auf ihr zusammensackte.
Das Mädchen stieß einen panischen Schrei aus. Verzweifelt versuchte sie, sich unter der noch warmen Leiche hervorzuwinden, als sie plötzlich die schattenhafte Gestalt eines gewaltigen Wolfs über sich entdeckte. Mit einem Mal starrte sie in ein paar rotglühende Augen und sie erspürte die wahre Natur des sich aufrichtenden Wesens. Ein Werwolf, von dessen rechter Klauenhand noch immer das Blut seines Opfers tropfte.
»Arrrrgh … Frisches Fleisch«, knurrte eine kehlige Stimme.
Plötzlich bekam das Mädchen den Griff des Langmessers zu fassen und riss die Klinge hoch.
»Fasse mich nicht an! Verschwinde, du Monster! Lasse mich in Ruhe!«, schrie sie panisch.
Der Werwolf stand nun aufrecht vor ihr und überragte sie in seiner animalischen Gestalt um eine halbe Körpergröße. Dem Hirtenmädchen schlotterten die Knie, während das Blut des Mannes an ihr herunterlief. In ihrem Kopf überschlugen sich die Gedanken, als die Kreatur mit kehliger Stimme zu ihr sprach: »Grrrrh … Willst du mich wirklich mit diesem Messer bedrohen? Arrrrgh … Mich … Nachdem ich dich vor diesem Monster beschützt habe, kleines Menschlein?«
Das Hirtenmädchen hielt das Langmesser mit beiden Händen vor sich und richtete dabei die Klingenspitze auf die Brust des Werwolfs.
»Was … Was willst du von mir?«
»Alles …«, erwiderte der Werwolf und sie glaubte ein wölfisches Grinsen in seiner Miene zu erahnen. »Du solltest nicht hier sein, kleines Mädchen. Nicht in einer Vollmondnacht. Lauf!«
Ihre Füße reagierten, noch bevor ihr Verstand die Worte ganz verarbeitet hatte. Sie lief los. Blutüberströmt und mit zerrissenem Kleid rannte das Hirtenmädchen den von Nebelschleiern verhangenen Berghang hinunter, hinter sich das lüsterne Knurren der Kreatur.
Pure Verzweiflung trieb sie an. Das Mädchen rannte um ihr Leben und wusste doch, dass das Monster sie jederzeit einholen konnte. Dabei hörte sie immer wieder die Stimme des Werwolfs.
»Lauf, kleines Mädchen! Lauf!«, hallte das Echo in ihrem Kopf.
Sie erreichte den Bergwald. Der vom Mondlicht durchsetzte Nebel verwandelte die Bäume in düstere Schatten.
Ihre Füße flogen mehr über den abschüssigen Boden, als dass sie noch lief. Immer wieder stieß sie gegen Baumstämme und Sträucher. Astwerk riss an den Fetzen ihres Kleides und kratzte über ihre nackte Haut. Schmerz peitschte durch ihren Körper.
In ihrer Flucht drehte sie den Kopf, blickte zurück und suchte nach dem Werwolf. Ein Fehler, denn in diesem Augenblick verlor sie vollkommen den Boden unter den Füßen. Sie stürzte, überschlug sich und kullerte den Berg hinab, bis sie mit dem Kopf voran gegen etwas Hartes stieß.
Sterne funkelten vor ihren Augen. Sie hörte das Plätschern von Wasser und in der Ferne Wolfsgeheul.
»Zu langsam, kleines Mädchen. Zu langsam«, wisperte eine Stimme zu ihr.
Sie spürte, wie die Krallen der Bestie über ihre Wange streiften und ihren Hals berührten.
»Habe keine Angst, meine Kleine«, sprach jemand mit sanfter, tiefer Stimme.
Mit einem Mal fühlte sie sich beinahe schwerelos. Sie schwebte durch die Luft und fühlte sich zugleich in einer wärmenden Umarmung geborgen.
Habe keine Angst, hallte ein Echo in ihrem Kopf, dann versagten ihre letzten Kräfte. Dunkelheit legte sich über ihr Bewusstsein und der Schmerz löste sich in einem Strudel aus betörender Leichtigkeit auf.
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